| Das Gute
und das Böse Die heutigen Menschen
müssen die Dinge richtig verstehen lernen. Ein richtiges Verstehen
führt zur Erneuerung. Der menschliche Geist braucht eine ständige
Erneuerung. Um dieses Ziel zu erreichen, muss man jeden Tag seiner
Erkenntnis Neues hinzufügen. Seit jeher reden die Menschen
von der Liebe, aber wenn ihr sie fragt was Liebe ist, werdet ihr
so viele unterschiedliche Antworten bekommen wie es Menschen
auf der Erde gibt. In ihren Ansichten über die Liebe sind sich
die Menschen nicht einig.
Auch in Bezug auf den Glauben sind sie verschiedener
Meinung, ebenso was die Hoffnung betrifft. Überhaupt: Die Menschen
leiden darunter, dass jeder die Dinge anders sieht. Und zwar deswegen,
weil jeder sein eigenes Verständnis als maßgebend durchsetzen
will.
Wenn der Mensch seine Augen öffnet, erschafft er die Welt nicht,
sondern sieht sie so, wie sie in Wirklichkeit ist. Ständen
die Dinge so, dann hätten die Menschen einheitliche Ansichten.
Doch was geschieht: Wenn der Künstler eine Gegend zu malen
beginnt, stellt er sie in Farben dar, die der Wirklichkeit nicht
entsprechen.
Wenn ihr über einen bestimmten Menschen redet,
sagt ihr, dass er sehr gut oder sehr schlecht sei. Aber das stimmt
nicht. Warum? Weil ihr ihn mit menschlichen Maßstäben
messt. Bei dem Vergleich mit einem Engel werdet ihr nicht sagen
können, ob er ein guter oder ein schlechter Mensch ist.
Was konkret bedeutet das Wort "gut"?
Das Gute ist eine wichtige Nahrung für die Seele. Das Gute
steht in Bezug zum Schlechten. Wenn aber der Mensch gleichzeitig
Gutes und Schlechtes als Nahrung zu sich nimmt, wird er durcheinander
kommen. Zum Beispiel:
Solange er reines Gebirgswasser trinkt, befindet er sich in seinem
natürlichen Zustand; beginnt er jedoch von Zeit zu Zeit Schnaps,
Wein, Rum und andere alkoholische Getränke zu sich zu nehmen,
verletzt er seinen natürlichen Zustand. Der Mensch muss nüchtern
sein, um den natürlichen Zustand seiner Seele, seiner Gedanken
und Gefühle zu bewahren. Ihr habt einen Freund, mit dem ihr
euch gut versteht und befindet euch in einem natürlichen Gefühlszustand.
Euer Freund möchte, dass ihr ihm eine stattliche Summe Geldes
leiht, wobei er verspricht, sie bald zurückzuzahlen. Ihr leiht
ihm das Geld, aber er zahlt es nicht zurück. Warum? Aus zwei
Gründen: Erstens denkt er, dass er das
Geld als euer Freund zurückzahlen kann, wann immer er es wünscht;
zweitens denkt er, dass es egal sei, ob sich das Geld bei ihm oder
bei euch befindet. Dieses Verhalten zermürbt aber den natürlichen
Zustand eurer Gefühle ihm gegenüber. Schließlich
streitet ihr euch. Was bringt euch dieser Streit? Ein neues Gefühl
– Feindseligkeit, Hass. Also wurde das Alte durch etwas Neues
ersetzt – eine neue Schwiegertochter ist gekommen. Das Gute
ist die erste Gemahlin des Menschen – das Schlechte die zweite,
schlechte Gemahlin. Das Gute ist der erste, gute Gemahl und das
Böse- der zweite, schlechte Gemahl. Das bedeutet, dass sich
das Gute mit dem Schlechten verheiratet. In diesem Sinn vermählt
sich der Mensch mehrere Male am Tag: mal mit dem Guten, mal mit
dem Schlechten.
Wofür steht die Vermählung? Die Vermählung
ist ein Vereinigungsgesetz. Diese Verbindung muss ständig,
immer wieder neu hergestellt werden. Genauso wie das
Leben, ist auch die Vermählung ein kontinuierlicher Prozess.
Wenn der Mensch das Gute heiratet, muss er das Schlechte aus seinem
Leben verbannen. Warum? Weil das Gute das Böse ausschließt.
Aber auch das Böse verbannt das Gute. Das bedeutet, dass Gut
und Böse zwei Dinge sind, die sich gegenseitig ausschließen.
Manchmal ist der Mensch mit dem Guten unzufrieden. Das Böse
kommt ihm dabei zu Hilfe und bringt ihn auf den
rechten Weg. Das Böse sagt zum Guten: "Es gibt einen Menschen,
der mit dir unzufrieden ist. Ich bitte dich, schick ihn zu mir."
Das Gute schickt den Unzufriedenen sofort zum Bösen. Sobald
er zu seufzen und zu leiden beginnt, sagt das Gute: "Schick
diesen Menschen zu mir!" Das Böse bringt ihn ins rechte
Gleis zurück. Zwei Schulen gibt es auf der Welt: Die Schule
des Guten und die Schule des Bösen. Wenn ein Schüler mit
der Schule des Guten unzufrieden ist, schickt man ihn sofort in
die Schule des Bösen.
Und umgekehrt, wenn ein Schüler mit der Schule
des Bösen unzufrieden ist, wird er sofort in die Schule des
Guten geschickt. Die zwei Schulen leisten sich gegenseitige Dienste.
Als Schüler müsst ihr ein richtiges Verständnis
haben. Was versteht man darunter? Ganz einfach! Ein Wort richtig
zu verstehen bedeutet, ihm nur jenen Inhalt zu geben, den es hat.
Zum Beispiel sagt jemand: "Ich bin ein Herrscher!" Das
bedeutet: Jeder, der zu mir kommt, muss mir dienen und meine Befehle
genau ausführen. "Ich bin ein Diener." Das wiederum
bedeutet: Ich bin ein Mensch, der alles ausführt, was man ihm
aufträgt. Ich habe keine eigene Meinung. Wenn ihr also von
euch behauptet, dass ihr ein Herrscher seid, fragt euch selbst,
ob man euren Worten folgt. "Aber ich bin ein Diener."
Wenn du ein Diener bist, frag dich, wem du dienst.
Von den Menschen wird das richtige Verstehen verlangt!
Falsches Verstehen verdirbt die guten Taten. Ein englischer Archäologe
fand eine Münze, auf der sich eine wertvolle Aufschrift befand,
aber weil sie verschmutzt war, konnte man das Geschriebene nicht
lesen. Als bequemer Mensch machte er sich nicht selbst die Arbeit
sie zu säubern, sondern gab sie seinem Diener, damit er diese
Arbeit verrichte. Der Diener nahm die Münze, schaute sie von
beiden Seiten an und sagte sich: "Vermutlich will mein Herr,
dass ich sie soweit säubere bis sie glänzt und er sehen
kann, was für eine Münze das ist." Er säuberte
sie sorgfältig und als er sah, dass die Münze leuchtete
weil sie aus Gold war, brachte er sie freudenvoll seinem Herrn und
sagte: "Mein Herr, ich habe die Münze so gut
gereinigt, dass sie funkelt!" Der Archäologe schaute die
Münze an und sagte mit Bedauern: "Ja, du hast sie besser
gereinigt als du solltest – du hast auch die
Aufschrift auf ihr abgewetzt. Die Münze war nicht wegen dem
reinen Gold wertvoll, sondern wegen ihrer Aufschrift. Sie war es,
die ihr ihren Wert gab."
Die heutigen Menschen machen den gleichen Fehler
wie der Diener des Archäologen. Wenn sie einen ihrer Charakterzüge
verbessern wollen, schrubben sie ihren
Charakter mühsam, bis er glänzt. Wenn er glänzt,
freuen sie sich, dass sie reines Gold sind, aber zusammen mit ihren
unreinen Charakterzügen haben sie auch das abgewetzt, was Gott
seit ihrer Schöpfung auf sie geschrieben hat. Nachher gehen
sie glücklich und
zufrieden zu Gott um ihm zu zeigen, wie sauber und leuchtend sie
sind. Doch für Gott ist es unwichtig zu sehen, dass ihr aus
reinem Gold gemacht seid – das weiß er. Für ihn
ist die Aufschrift auf dem Gold wichtig. Für den Menschen wäre
es besser als Sünder mit seinen Schwächen vor Gott zu
treten als rein und glänzend, aber inhaltslos und als ein unbeschriebenes
Blatt. Wenn der Mensch auf die Erde gekommen ist, muss er zufrieden
mit seiner Aufschrift sein. Das bedeutet nicht, dass er selbst etwas
auf sich schreiben soll, sondern dass er dasjenige bewahren soll,
was Gott ursprünglich in seine Seele geschrieben hat. Der Mensch
ist eine archäologische Münze, die Gott ganz am
Anfang geprägt hat. Während seines Wachstums- und Entwicklungsprozesses
hat sich der Mensch beschmutzt und gereinigt, aber trotzdem haften
immer noch
unbrauchbare Partikel an ihm, die von dem Terrain künden, das
er durchwandert hat. Heutzutage steht ihm die Aufgabe bevor, sich
zu reinigen, ohne sich abzuwetzen, ohne die Aufschrift zu entfernen.
Wunderschöne Sachen stehen auf euch geschrieben!
Löscht sie nicht! Muss etwa der Schüler das Wissen tilgen,
das er von seinem Lehrer erworben hat? Wenn er bewusst das Wissen
löscht, welches ihm der Lehrer mit Liebe anvertraut hat, so
zeugt das davon, dass er dem Stolz einen Platz in sich eingeräumt
hat. Stolz ist eines der unbrauchbaren Partikel auf seiner Münze.
Ihn muss man tilgen und nicht das Wissen.
Ein junger Bursche liebt ein Mädchen. Er schreibt
ihr Liebesbriefe, nennt sie einen Engel, Göttin, aber nachdem
er sie heiratet, nennt er sie einen Teufel. Wie wurde sie zum Teufel?
Warum hat er ihr früher das Wort "Engel" aufgeprägt,
und nach einiger Zeit dieses Wort wieder getilgt und es durch das
Wort "Teufel" ersetzt? Warum glaubt der Mann, sobald er
geheiratet hat, nicht mehr an seine Liebste? Er schreibt ihr eine
Reihe negativer Eigenschaften zu und beschmutzt sie, bis sie sich
schließlich entscheidet, ihn zu verlassen. In dieser Situation
sind beide voneinander unzufrieden.
Warum haben sie geheiratet und warum haben sie
sich getrennt? Ihr wundert euch immer noch, wie es möglich
ist, dass ein Mann und eine Frau, die sich geliebt haben, jetzt
voneinander enttäuscht sind. Ihr braucht euch nicht zu wundern.
Auch ihr befindet euch in der gleichen Situation in Bezug auf die
Erstursache. Ihr seid aus der Erstursache hervorgegangen um ihren
Willen zu erfüllen, ihr seid auf die Erde gekommen um zu arbeiten,
aber wenn die Dinge nicht nach eurem Wunsch verlaufen, seid ihr
mit euch selbst, mit eurem Leben und den Umgebenden unzufrieden.
Wenn ihr mit euch unzufrieden seid, seid ihr auch mit Gott unzufrieden.
In diesem Fall kann auch er nicht mit euch zufrieden sein.
Was muss die Frau machen, wenn ihr Mann ihr eine
Reihe negativer Eigenschaften zuschreibt? Oder was muss der Mann
machen, wenn ihm seine Frau negative
Eigenschaften zuschreibt? In diesem Fall müssen sowohl der
Mann als auch die Frau wie Sokrates handeln, zu dem ein Physiognom1
kam und bei ihm viele negative
Charakterzüge herausfand. Als Sokrates Schüler den Physiognomen
so reden hörten, entrüsteten sie sich
über sein Verhalten. Sokrates jedoch antwortete ruhig, ohne
Entrüstung: "All das ist wahr. Früher war ich einmal
so, aber Kraft meines Willens überwand ich meine Schwächen.
Heute lebe ich ein neues, reines Leben." Das ist der rechte
Weg zur Lösung dieser Frage. So muss es die Frau ihrem Mann
sagen, oder der Mann seiner Frau.
Oft wird unter den Gläubigen die Frage nach dem Kreuz
gestellt – was es darstelle und ob es verehrt werden
müsse. Wenn man diese Frage stellt, so versteht man
sie nicht. Das Kreuz symbolisiert den Glauben, der
Anker – die Hoffnung und das Herz – die Liebe.
Derjenige, der Glauben hat, trägt das Kreuz
in sich. Das Kreuz überwindet die Schwierigkeiten im Leben.
Es spornt den Menschen zum Erwerb von Wissen und Weisheit
an. Die Menschen haben Angst vor dem Kreuz, weil sie es mit Leiden
verbinden. Sie wissen nicht, dass Leiden eine Welt, ein sakrales
Gebiet sind, die mit dem Kreuz
nichts zu tun haben. Leiden eröffnen dem Menschen den Weg zur
göttlichen Weisheit, zum Erkennen der Geheimnisse des Lebens
und der Natur. In diesem Sinne bringen Leiden dem Menschen großes
Wohl. Auf der Erde sind die Leiden vorübergehend. Auch die
Sünde ist vorübergehend. Das Schlechte an der Sünde
besteht darin, dass sie das Schöne, das Großartige, was
in der menschlichen Seele verzeichnet worden ist, auslöscht.
Die Sünde tilgt das Göttliche im Menschen. Freut euch,
dass Sünde und Verbrechen vorübergehend sind! Sie gehen
vorbei, verlassen den Menschen und er bleibt
rein zurück, so wie er ursprünglich gewesen ist.
Muss man das Kreuz tragen? Wenn ich die Menschen beobachte, sehe
ich, dass sie nicht nur eines, sondern viele Kreuze tragen. Der
Mensch kann viele Kreuze tragen – wichtig ist jedoch, dass
er Glauben hat. Das Kreuz ist ein Symbol für den Glauben, den
der Mensch in sich trägt. Demnach ist jeder Mensch ein lebendiges
Kreuz. Weil er das nicht versteht, meint er, dass man das Kreuz
nicht verehren sollte. Das bedeutet, dass er
sich gegen sich selbst auflehnt. Der Mensch beschmutzt und reinigt
das Kreuz selbst: Wenn er nicht gut lebt – verunreinigt er
es; wenn er gut lebt – reinigt er es. Das Kreuz befindet sich
im einzelnen Menschen. Es ist nicht außerhalb von ihm. Mensch
ist, wer glaubt, wer hofft und liebt.
Die Menschen der heutigen Zeit müssen sich
von den Menschen der Vergangenheit, aus der Heidenzeit, unterscheiden.
Heutzutage sind sie keine Kinder mehr, wie sie es einst waren. Sie
sind ein wenig erwachsener geworden und folglich muss sich auch
ihr Verstand von dem der vergangenen Epochen unterscheiden. Ihr
müsst also, wenn die Frage über das Kreuz aufgeworfen
wird, sowohl seinen inneren als auch seinen äußeren Sinn
verstehen. Äußerlich symbolisiert es den Glauben, und
innerlich – die Weisheit. Das innere Verständnis des
Kreuzes schließt das Verstehen aller Menschen und aller Völker
mit ein. Das Kreuz ist überall im Leben notwendig. Apostel
Paulus sagte: "Ich aber will mich des Kreuzes Jesu Christi
rühmen"2. Wer den Sinn dieses Kreuzes versteht, muss Christus
lieben. Wer das Kreuz versteht, muss eine weiche, reine Sprache
haben wie
das reine Bergwasser, wie der erste Strahl des Lichts. Die Menschen
diskutieren über das Kreuz, weil sie ihr eigenes Kreuz –
das menschliche meinen, und daher stammen die Missverständnisse
im Leben. Es gibt noch ein anderes Kreuz – das göttliche.
Die Sünden, die Verbrechen, die abwegigen Ansichten der Menschen
– das ist das menschliche Kreuz, von dem sich die Menschen
selber befreien müssen. Wenn der Mensch nach Reichtum
und Macht strebt, um über andere zu herrschen, so schafft er
sich damit ein Kreuz, an dem er schwer zu tragen hat. Auf diese
Weise leidet und rädert sich der Mensch selbst. Über dieses
Kreuz steht in der Bibel: "Verflucht ist jeder, der am Pfahl
hängt"3. Wenn sie
sich nicht lieben, schaffen sich die Leute selber Kreuze, an denen
sie sich rädern. Und bei alldem sprechen sie von Liebe. Wenn
sie sich lieben, wo ist dann ihre Liebe, ihr Glaube und ihre Hoffnung?
Christus sagte: "Wer nicht sein Kreuz nimmt und mirnachfolgt,
der kann nicht mein Jünger sein."
Als Schüler müsst ihr an euch selbst
arbeiten, um euch von dem Kreuz zu befreien, das der Teufel auf
euren Rücken gelegt hat. Wenn ihr nicht richtig denkt, meint
ihr, dass euch dieses Kreuz von Gott auferlegt wurde und rühmt
euch mit ihm. So rühmt sich auch der Mörder mit seinem
Kreuz. Wenn er jemanden ermordet hat, versteckt er sein Messer und
sagt: "Ich bin ein Held! Ich habe meinen Feind mit meinem Kreuz
bezwungen."
Wirklich, auch das Messer ist ein Kreuz, aber ein teuflisches. Solange
er an sein Messer glaubt, trägt der Mensch ein Kreuz, das ihm
der Teufel auf seinen Rücken gelegt hat. Befreit euch von diesem
Kreuz und nehmt stattdessen das Kreuz Christi an. Über dieses
Kreuz hat Christus gesagt: "Meine Last ist leicht."
Macht jeden Tag Versuche um zu sehen, über welche Macht und
Vernunft ihr verfügt.
Wenn jemand zu euch kommt und euch sagt, dass ihr
ein schlechter Mensch seid, ein Ungebildeter, ein Geizhals, dann
seid ihm nicht böse, seid nicht beleidigt. Hört ihn ruhig
an und erwidert: "Danke für die süßen und wunderschönen
Worte, die du mir gesagt
hast. So eine angenehme Rede habe ich bis jetzt noch nie gehört."
Wenn du das sagst, fließt Honig von deinen Lippen. Ihr werdet
meinen, das sei nicht wahr.
Die Richtigkeit dieser Worte steckt hinter dem Effekt, den sie produzieren.
Wenn ihr so zu diesem Menschen sprecht, überreicht ihr ihm
Süßes und Honig von euch selbst, und nehmt ihm das Bittere
weg. Auf diese Art und Weise transformiert ihr die negativen Kräfte
in positive. Es wird nicht viel Zeit vergehen, und der gleiche Mensch
wird milder, wird angenehm zu sprechen beginnen. Dadurch ermöglicht
ihr, dass vom Mund dieses
Menschen Honig fließt.
Auf diese Art und Weise kann man den Zustand der
Menschen transformieren. Wenn ihr diesem Menschen in seiner Sprache
antwortet, dann fügt ihr euch selbst großen Schaden zu.
Ihr nehmt sowieso den Zustand sowohl der guten als auch der schlechten
Leute auf.
Wenn ein schlechter, sündiger Mensch zu euch kommt, fühlt
auch ihr euch sündig. Wenn ein Guter kommt – werdet auch
ihr gut. Wenn ein Missgelaunter kommt, werdet auch ihr missgelaunt.
Kommt ein Gutgelaunter, so werdet auch ihr gutgelaunt.
Sowohl der eine als auch der andere Zustand sind
fremde Zustände. Ihr müsst diese Zustände unterscheiden
um zu wissen, welcher der eure ist und welcher nicht. Wenn es um
die Quelle geht, so kann sie niemand für etwas anklagen. Die
Quelle fließt – keiner
kann ihr etwas hinzufügen, keiner etwas wegnehmen. Jemand wird
sagen, er hätte eine Flasche Wasser hineingegossen und so der
Quelle etwas von sich hinzugefügt. Nichts hat er hinzugefügt!
Dieses Wasser hat er von der gleichen Quelle genommen. Das bedeutet,
dass man der Quelle kein Verbrechen anhängen kann. Die Quelle
ist das Oberhaupt der Dinge.
Daher begeht das Oberhaupt keine Verbrechen. In
diesem Sinne können weder der Vater noch die Mutter, noch der
Reiche, noch der Arme Verbrechen begehen. Wenn der
Reiche Fehler gemacht hat und verarmt ist, kann er irgendein Verbrechen
verüben.
Und der Arme – wenn er Fehler gemacht hat
und beginnt reich zu werden, kann er auch irgendein Verbrechen verüben.
Zum Beispiel: Wenn ein reicher Vater seinen
Reichtum den Armen gibt und seine Töchter und Söhne um
das Erbe bringt, so wird er in ihren Augen zu einem Verbrecher,
zu einem dummen Vater. Wenn der Arme stiehlt, um seinen Kindern
finanzielle Mittel geben zu können, um sie abzusichern, so
wird er für sie zu einem guten und klugen Menschen. Das sind
Situationen, die wir im menschlichen Leben antreffen, aber sie haben
nichts mit der göttlichen Ordnung zu tun.
Die göttliche Ordnung der Dinge schließt
persönliche Fragen aus. "Bin ich gut?" Das ist eine
persönliche Frage. "Bin ich schlecht?" Auch das ist
eine persönliche Frage. Wenn ihr lernt, seid ihr gut. Solange
ihr bei diesem Nebel auf den Berg geklettert seid, um der Lehre
zuzuhören, seid ihr gut. Und ich bin gut, weil ich gekommen
bin um euch zu lehren. Nur eins wird von uns verlangt: Sowohl ich
als auch ihr sollt gut sein, sollt den Willen Gottes erfüllen.
Wann kann das geschehen? Noch jetzt, ohne irgendeinen Aufschub.
Leben wir in Gott und er in uns! Verherrlichen wir seinen Namen!
Gottes Wille soll
geschehen, Gottes Reich auf Erden kommen! Das müssen wir uns
alle wünschen! Wie Gott für sich anerkannt hat, dass wir
gut sind, so müssen auch wir seine Güte und Vollkommenheit
anerkennen und alles in uns opfern, um seinen Willen zu erfüllen.
In der Erfüllung von Gottes Willen bestehen eure Vervollkommnung,
die Rettung eurer Seelen und der Erwerb großartiger göttlicher
Güter.
Stellen wir nun alles an seinen Platz! Das Kreuz
repräsentiert die menschlichen Arme, der Anker – die
menschlichen Beine, und das Herz – den menschlichen Kopf.
Mit den Armen glaubt der Mensch, mit den Beinen hofft er und mit
dem Kopf liebt er. Mit den Armen
arbeitet der Mensch, mit den Beinen geht er und mit dem Kopf denkt
er. Der Kopf stammt vom Herzen ab. Deswegen wird gesagt, dass das
Herz die Mutter des
menschlichen Verstandes sei. Das ist der Grund, warum Verstand und
Herz des Menschen miteinander verbunden sind. Der Verstand ist der
geliebte Sohn des Herzens.
Das Herz ist die göttliche Mutter, die alles in der Welt gebiert.
Wenn der Mensch seinen Arm erhebt, so drückt
er damit jenes Prinzip in sich aus, das ihn anhält zu denken,
zu arbeiten und schöpferisch tätig zu sein. Die Arme repräsentieren
das Kreuz, welches sowohl die guten Sachen, als auch die traurigen
und die Leiden
hervorbringt. Die Leiden stammen von den schöpferischen Prinzipien
im Menschen ab. Wer schöpferisch tätig ist wird unbedingt
leiden. Als Gott die Welt erschuf, schuf er gleichzeitig auch das
Kreuz.
Spannt jetzt euer Herz zur Arbeit an, damit es
eurer Seele dient und nicht eurem Verstand. Eure Beine mögen
eurem Geist dienen. Eure Arme und Beine mögen zusammen dem
Allmächtigen dienen, von dem ihr abstammt und zu dem ihr zurückkehrt.
Spannt euer Herz und den Verstand, die Arme und die Beine, den Geist
und die Seele in die Arbeit ein – damit ihr Gottes Willen
erfüllt, damit Gottes Reich komme wie im Himmel so auf Erden.
Und nun, da wir gut, gläubig, liebend und voller Hoffnung
sind – machen wir uns auf den Weg, um Gottes Willen zu erfüllen!
Jetzt wünsche ich euch, dass euch, nachdem
ihr vom Gipfel heruntergestiegen seid, so viel Honig vom Mund tropft,
dass sich alle Bienen um euch versammeln, um einen Teil des Honigs
in ihre Bienenkörbe zu tragen. Jede Biene soll auf ihren Bienenkorb
schreiben: "Das ist der Honig, der aus dem Mund der Gläubigen
fließt."
Ich wünsche euch, dass Honig nicht nur aus
eurem Mund, sondern auch aus euren Herzen, Köpfen und Seelen
fließt. Ich wünsche euch, dass Honig auch aus eurem
Geist fließt und sich überall wie ein wunderbarer Balsam
zur Heilung der Menschheit verbreitet!
"Gott ist Geist und wer sich vor ihm verneigt, soll sich in
Geist und Wahrheit vor ihm verneigen!"
Peter Deunov (Beinsa Douno)
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